Anwendungsfall Verkehrsunfall

Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person üben

Die technische Rettung ist selten das Problem — die Abstimmung ist es. Im digitalen Szenario arbeiten Feuerwehr und Rettungsdienst an derselben Einsatzstelle, sehen dasselbe Lagebild und müssen sich über Reihenfolge und Zeit verständigen.

Was an dieser Lage schwer zu üben ist

Technische Hilfeleistung wird häufig geübt — meist an ausgeschlachteten Fahrzeugen auf einem Hof, mit viel Zeit und ohne Betroffene. Trainiert wird dabei der Umgang mit dem Gerät. Was in dieser Form fehlt, ist alles, was den Einsatz eigentlich schwierig macht: fließender Verkehr, ein Fahrzeug in unklarer Lage, eine Person, deren Zustand sich verändert, und ein Rettungsdienst, der eigene Ziele verfolgt.

Dazu kommt die Terminfrage. Eine gemeinsame Übung von Feuerwehr und Rettungsdienst mit Notarzt setzt voraus, dass mehrere Organisationen gleichzeitig Kräfte abstellen — im Alltag scheitert das oft schon an der Dienstplanung. Genau deshalb bleibt die Schnittstelle zwischen den Organisationen der am wenigsten geübte Teil einer der häufigsten Einsatzarten.

Lagebeurteilung an der Einsatzstelle

Der Einsatz beginnt mit dem Blick aus einiger Entfernung, noch bevor jemand am Fahrzeug steht. Im 360°-Szenario steht dieser Blick zur Verfügung: Die Einsatzstelle ist rundum sichtbar, mit allem, was zur ersten Beurteilung gehört — und mit den Dingen, die man leicht übersieht, weil sie nicht im Blickfeld liegen.

Aus dieser Beurteilung folgt die erste Rückmeldung an die Leitstelle. Ob nachgefordert wird und was nachgefordert wird, ist im Szenario eine echte Entscheidung mit Folgen: Kräfte, die nicht angefordert wurden, stehen später auch nicht zur Verfügung.

Absicherung und Eigenschutz

Vor jeder Rettungsmaßnahme steht die Absicherung der Einsatzstelle. Wie sie im Einzelnen auszuführen ist, regeln die Vorschriften und Vorgaben Ihrer Organisation sowie die Zuständigkeit der Polizei — das Szenario gibt hier nichts vor. Geübt wird die Führungsentscheidung: Wird die Absicherung vor dem Beginn der Arbeiten festgelegt, wird sie mitgeteilt, und wird sie angepasst, wenn sich die Lage ändert.

Der Übungsleiter kann diese Entscheidung unter Druck setzen, indem er die Lage verändert — etwa durch eine Meldung über ein zusätzliches beteiligtes Fahrzeug oder durch Verkehr, der sich nicht an die Sperrung hält. Wer die Absicherung nur einmal zu Beginn abgehandelt hat, merkt das an dieser Stelle.

Parallele Abläufe von Feuerwehr und Rettungsdienst

Der Kern dieser Lage sind zwei Abläufe, die gleichzeitig stattfinden und sich gegenseitig bedingen. Die Feuerwehr schafft Zugang und arbeitet auf die Befreiung hin. Der Rettungsdienst beurteilt die betroffene Person und leitet daraus ab, wie viel Zeit zur Verfügung steht. Aus dieser Zeitangabe folgt, ob schonend oder unter Verzicht auf Sorgfalt im Detail gearbeitet wird — der Ablauf richtet sich am Patienten aus, nicht an der Technik.

Im Szenario werden beide Rollen tatsächlich besetzt. Beide Seiten sehen dieselbe Einsatzstelle, haben aber unterschiedliche Informationen: Die eine Seite kennt den Zustand der Person, die andere weiß, wie lange die Öffnung des Fahrzeugs dauert. Erst wenn beide diese Information austauschen, entsteht eine gemeinsame Planung. Genau dieser Austausch fällt in der Auswertung auf, wenn er ausbleibt.

Typische Reibungspunkte, die das Szenario sichtbar macht

  • Die Rettungszeit wird nie ausgesprochen, jede Seite plant für sich
  • Der Auftrag ändert sich, aber nur eine Organisation erfährt davon
  • Der Rettungsdienst wird erst gerufen, als die Öffnung schon läuft
  • Zwei Führungskräfte geben widersprüchliche Anweisungen an denselben Trupp
  • Die Nachforderung erfolgt so spät, dass die Kräfte nicht mehr wirksam werden

Kommunikation zwischen den Organisationen

Feuerwehr und Rettungsdienst sprechen unterschiedliche Sprachen und arbeiten auf unterschiedlichen Kanälen. Im Szenario läuft die Verständigung über dieselben Wege wie im Einsatz: Funk und Sprechgruppen, direkte Absprache an der Einsatzstelle und eine gemeinsame Lagekarte, auf der Fahrzeuge, Bereiche und Betroffene für alle sichtbar eingetragen sind.

Trainierbar wird damit, was sonst nur nebenbei passiert: Wer meldet an wen, wer führt welchen Abschnitt, wie wird eine Absprache verbindlich, und wie kommt die Information zur Leitstelle zurück. Jede Meldung wird mit Zeitstempel im Einsatztagebuch geführt und steht damit in der Nachbesprechung zur Verfügung. Die Werkzeuge dafür beschreibt die Seite digitale Einsatzleitung.

Mehrere Betroffene: Sichtung an der Unfallstelle

Sobald mehr als eine Person betroffen ist, verändert sich die Aufgabe. Es geht nicht mehr darum, eine Person zu befreien, sondern darum, eine Reihenfolge festzulegen und sie zu begründen. Im Szenario lassen sich mehrere Betroffene mit unterschiedlichem und sich veränderndem Zustand darstellen — verteilt auf Fahrzeuge, Fahrbahn und Umfeld, teilweise auch außerhalb des ersten Blickfelds.

Damit wird die Sichtung zur Übungsaufgabe: erfassen, einteilen, wiederholt prüfen, Ergebnis weitergeben. Wie Sichtungskategorien, Vitalzeichen und Patientenverlauf in der Plattform abgebildet sind, beschreibt die Seite Triage-Simulation und MANV. Ansprechbare Betroffene lassen sich zusätzlich per Sprache befragen, was Angaben liefert, die niemand vorher im Szenario hinterlegt hat.

Übergabe und Abschluss

Der Einsatz endet nicht mit der Befreiung. Zur Übung gehört die Übergabe an den Rettungsdienst und die Meldung an die Leitstelle — vollständig, in einer nachvollziehbaren Reihenfolge und mit den Angaben, die die aufnehmende Seite braucht. Welche Struktur Sie dabei verwenden, geben Ihre eigenen Vorgaben vor; das Szenario prüft, ob überhaupt strukturiert übergeben wird und ob nichts verloren geht.

Anschließend steht das Protokoll zur Verfügung: alle Meldungen, Entscheidungen und Zeitpunkte in der Reihenfolge, in der sie tatsächlich stattgefunden haben. Der übliche Streit darüber, wann etwas gesagt wurde, entfällt damit in der Nachbesprechung.

So läuft das Szenario ab

Während der Übung

  • Einsatzstelle als 360°-Umgebung, rundum erkundbar
  • Rollen für Feuerwehr und Rettungsdienst getrennt besetzt
  • Betroffene per Sprache oder Text befragbar
  • Lageänderungen durch den Übungsleiter
  • Funk, Lagekarte und Einsatztagebuch laufen mit

In der Auswertung

  • Zeitpunkt der ersten Rückmeldung
  • Wann die Rettungszeit abgestimmt wurde
  • Reihenfolge bei mehreren Betroffenen
  • Vollständigkeit der Übergabe
  • Vergleich mit einem zweiten Durchgang
Im Browser, ohne Installation Zwei Organisationen gemeinsam Auch verteilt durchführbar Protokoll für die Nachbesprechung

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