THW-Ausbildung: Lagen üben, die im Ortsverband nicht aufzubauen sind
Der Dienstabend ist kurz, die Ausbilder sind selbst ehrenamtlich, und ein eingestürztes Gebäude stellt niemand für eine Übung hin. Pointica bildet solche Lagen digital ab — für das Entscheiden, Führen und Zusammenwirken.
Der Ausbildungsalltag im Ortsverband
Die Ausbildung im Technischen Hilfswerk findet im Wesentlichen am Dienstabend statt: ein Abend in der Woche, nach der Arbeit, in einer Unterkunft, in der auch Fahrzeuge und Geräte geprüft werden wollen. Wer die Ausbildung plant, ist selbst ehrenamtlich unterwegs. Das setzt jeder Übung eine harte Grenze — was aufwendig aufgebaut werden muss, findet höchstens einmal im Jahr statt.
Hinzu kommt die Zusammensetzung: Im Ortsverband treffen Helferinnen und Helfer aus der Grundausbildung auf Erfahrene aus Zugtrupp, Bergungsgruppe und mehreren Fachgruppen. Eine Übung, in der alle etwas zu tun haben, ist deshalb vor allem eine Frage der Vorbereitung — und die ist der eigentliche Aufwand.
Digitale Übungen setzen genau dort an. Ein Szenario wird einmal eingerichtet und lässt sich danach beliebig oft starten: am nächsten Dienstabend, im nächsten Quartal, mit einer anderen Gruppe.
Lagen, die sich real kaum üben lassen
Manche Einsatzbilder lassen sich nicht bestellen. Ein Gebäude stürzt nicht auf Ansage ein, ein Deich weicht nicht für den Dienstabend auf, und ein flächiger Stromausfall lässt sich nicht für zwei Stunden herstellen. Genau diese Lagen sind aber die, für die das Technische Hilfswerk gerufen wird.
Einsturz und Bergung
Teileinsturz nach Explosion oder Unwetter: erkunden, Zugang schaffen, Abschnitte bilden, Kräfte anfordern.
Hochwasser und Deichverteidigung
Steigender Pegel, gefährdete Deichabschnitte, Sandsacklogistik, Übergabe an die nächste Schicht.
Stromausfall und Notversorgung
Flächenlage ohne Versorgung: kritische Abnehmer priorisieren, Notstrom zuteilen, Meldewege ohne Mobilfunk.
Ortung und Suche
Suchraum abgrenzen, Suchabschnitte vergeben, mit anderen Einheiten abgleichen, was bereits abgesucht ist.
Technische Hilfeleistung
Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen, auslaufenden Betriebsstoffen, Versorgung durch den Rettungsdienst.
Die Umgebungen sind als 360-Grad-Szenarien im Browser begehbar: Wer erkundet, dreht sich in der Lage um und findet Hinweise dort, wo sie liegen, statt eine fertig beschriftete Folie zu sehen. Wie das aufgebaut ist, beschreibt die Seite zu den 360-Grad-Szenarien.
Führung im Zugtrupp: Lagemeldung und Auftragsvergabe
Der Kern einer Führungsübung ist nicht das Gerät, sondern der Vorgang: Lage feststellen, beurteilen, entschließen, Aufträge geben, kontrollieren — und von vorn, sobald sich die Lage ändert. Der Kreis bleibt auf jeder Ebene derselbe.
| Phase im Führungsvorgang | Was in der Übung passiert | Rückmeldung der Plattform |
|---|---|---|
| Lagefeststellung | Erkunden, Rückmeldungen einholen, Lagebild aufbauen | Eintragungen in der Lagekarte, Zeitstempel |
| Planung und Entschluss | Kräfte einteilen, entscheiden | Kräfteübersicht, Abschnitte, offene Aufträge |
| Befehlsgebung | Auftrag und Empfänger benennen | Auftrag im Einsatztagebuch, sichtbar für die Einheit |
| Kontrolle | Nachfassen, Rückmeldung bewerten | Statuswechsel und Rückmeldungen im Verlauf |
Gemeldet und beauftragt wird über Sprechfunk oder Text — mit Rufname, Quittung, Meldung und Abschluss, wie es die Vorschrift vorsieht. Geübt wird damit nicht die Bedienung des Funkgeräts, sondern was gesagt wird, wenn die Lage unübersichtlich ist. Wie Lagekarte, Einsatztagebuch und Kommunikation zusammenspielen, zeigt die Seite zur digitalen Einsatzleitung.
Was sich dabei sichtbar machen lässt
- Wann eine Lage erkannt und wann sie zum ersten Mal gemeldet wurde
- Ob ein Auftrag einen Empfänger hatte oder in den Raum gesprochen wurde
- Welche Abschnitte gebildet und welche Kräfte ihnen zugeordnet wurden
- Wie lange eine Rückmeldung ausblieb, ohne dass jemand nachgefasst hat
Zusammenarbeit in derselben Lage
Im Einsatz steht das Technische Hilfswerk selten allein. Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Hilfsorganisationen arbeiten an derselben Stelle, mit unterschiedlichen Aufträgen und unterschiedlichen Funkwegen. Geübt wird das selten, weil eine gemeinsame Übung die Terminplanung mehrerer Organisationen erfordert.
Digital ist die gemeinsame Lage der Normalfall: eine Lagekarte, ein Einsatztagebuch, mehrere Einheiten. Die Übergabe an den Rettungsdienst lässt sich von beiden Seiten üben, die Abstimmung mit der Feuerwehr über Absperrung und Zugang ebenfalls. Die jeweilige Perspektive beschreiben die Seiten zum Feuerwehr-Training und zum Rettungsdienst-Training.
- Mehrere Einheiten in einer Lage, jede mit eigener Sicht und eigenem Auftrag
- Gemeinsame Lagekarte statt getrennter Skizzen
- Auch verteilt nutzbar, wenn die Einheiten nicht am selben Ort sitzen
Was sich nicht simulieren lässt
Es wäre unehrlich, das Handwerk am Gerät als Trainingsziel auszugeben. Wer eine Abstützung baut, eine Kettensäge führt oder eine Tauchpumpe anschließt, lernt das an der Maschine, mit den Händen, unter Aufsicht — und nirgendwo sonst. Kraft, Materialgefühl, Lärm und Kälte lassen sich am Bildschirm nicht erzeugen. Diese Ausbildung bleibt, wo sie hingehört.
Digital üben lässt sich das andere: entscheiden, führen, zusammenwirken. Welcher Schadensstelle wendet man sich zuerst zu? Wie wird eine Rückmeldung formuliert? Wann werden Kräfte nachgefordert? Wie klingt ein Auftrag, den ein anderer ohne Nachfrage ausführen kann? Diese Anteile kommen im Dienstalltag oft zu kurz, weil sie kein Gerät brauchen.
Pointica ist eine Übungsplattform, keine anerkannte Ausbildung. Was angerechnet wird, entscheidet die zuständige Stelle; die Plattform liefert die nachvollziehbare Grundlage, nicht die Anerkennung.
Auswertung als Nachweis für die Ausbildungsdokumentation
Am Ende eines Durchgangs steht eine Auswertung: was getragen hat, was gefehlt hat, was vergessen wurde — mit Note, Prozentwert und einer Aufschlüsselung nach Lagefeststellung, Planung, Befehlsgebung, Kommunikation und Zeitverhalten, dazu ein PDF-Protokoll.
Für die Ausbildungsdokumentation heißt das: Der Nachweis entsteht während der Übung, nicht danach aus dem Gedächtnis. Wie die Auswertung aufgebaut ist, zeigt die Seite zur Übungsauswertung.
- Protokoll je Durchgang mit Zeitstempeln, ohne Klemmbrett
- Teilnahme und Ablauf dokumentiert, auch beim Einzeltraining
- Dieselbe Lage ein halbes Jahr später — dieselbe Messlatte
- Auswertung gehört in die Ausbildung, nicht in die Personalakte
Für Ortsverband, Fachgruppen und Ausbildung
Zugtrupp und Führungskräfte
- Führungsvorgang mehrfach durchlaufen statt einmal im Jahr
- Lagemeldung und Auftragsvergabe üben, nicht besprechen
- Auch mit wenigen Anwesenden durchführbar
Bergungsgruppe und Fachgruppen
- Lagen kennenlernen, bevor sie zum ersten Mal echt sind
- Ergänzung zur praktischen Ausbildung, kein Ersatz
Ausbildung im Ortsverband
- Szenario einmal vorbereiten, oft einsetzen
- Gastzugang per PIN oder QR-Code ohne Benutzerkonto
Übungsleitung
- Lage im laufenden Betrieb verändern und nachschärfen
- Auswertung je Teilnehmerin und Teilnehmer
Technische Voraussetzungen
In der Unterkunft genügt ein vorhandener Rechner, ein Tablet oder der Beamer im Schulungsraum; für den Sprachdialog reicht ein einfaches Headset. Wer verteilt übt, verbindet sich von zu Hause — für ehrenamtliche Einheiten oft der Unterschied zwischen Übung und ausgefallener Übung.
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